Meine Anti-Schleim-Strategie: Klopfen gegen Bronchitis
- Katja Glock

- 4. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Feb.
Einige Babys und Kinder, vor allem mit Vorerkrankungen, Behinderungen oder Bewegungseinschränkungen haben Schwierigkeiten den Schleim bei Atemwegsinfekten wieder loszuwerden. Beim Abhusten kann diese Strategie helfen: Inhalieren, Mobilisieren, Klopfen und Vibrieren.

Diesen Blogartikel hat unsere tolle Kinderärztin angeregt: "Sie müssten eigentlich ein Buch schreiben. Ich finde das so unbefriedigend, dass alle Mamas komplett bei 0 anfangen müssen und sich in jedem Thema, jede für sich einarbeiten muss. Wäre doch viel besser, wenn man auf dieses ganze gesammelte Wissen und die wertvollen Erfahrungen direkt zugreifen könnte und nicht so alleine mit Allem wäre." Recht hat sie. Also hier mein Senf zum Thema Schleim und wie wir ihn effektiv los werden.
Der Disclaimer vorneweg: Ich bin keine Kinderärztin. Dieser Blogartikel ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die erste Ansprechperson für Fragen rund um die Behandlung deines Kindes, sollte immer die Kinderärzt*in sein.
Ich kann Atmung von einem Bewegungs-Standpunkt aus betrachten und ich weiß, wie es ist, nachts um halb 3 zu überlegen ob die Obstruktive Bronchitis jetzt den Turning Point überschritten hat, an dem ich das alles zu Hause managen kann. Sofort ins Krankenhaus? Rettungswagen rufen? Oder doch irgendwie bis 8 Uhr aushalten bis die Praxis aufmacht?
Hier meine persönliche Anti-Schleim-Strategie. Gilt das als Hausmittel? Weiß nicht. Es hat uns jedenfalls schon mehrmals den Poppes gerettet.
Die 3 Säulen der Anti-Schleim-Strategie:
Inhalieren

Es ist wichtig die Atemwege feucht zu halten. Inhalationen mit Kochsalzlösung sind da mein Way-to-Go. Es gibt Geräte mit Kabel, die sind sehr laut und Geräte mit Akku, die sind überraschend leise (beste Erfindung, ich liebs!).
Zum Inhalieren kannst du Kochsalzlösung (abgepackt in kleinen Ampullen nutzen). Das befeuchtet die Atemwege, macht den Schleim flüssiger und so das Abhusten einfacher.
Ganz grob gibt es zwei Arten Kochsalzlösung:
Standart Kochsalzlösung 0,9%
Kochsalzlösung mit mehr Wums: 3% (oder mehr) hat den Ruf noch effektiver zu lösen, ich finde sie reizt dafür auch mehr und atmet sich nicht ganz so geschmeidig ein.
Das ganze Thema Inhalation, Häufigkeit, Menge und vor allem Medikamente (das gilt doppelt wenns über Kochsalz hinaus gehen), solltest du mit eurer Kinderärzt*in beraten.
Klopfen/Vibrieren
Um den Schleim, der durch die Inhalation gelöst wird nun tatsächlich auch loszuwerden empfehle ich dir dein Kind abzuklopfen. "Klopfen?! Mein Kind ist doch kein Schnitzel!" Nein, du holst jetzt auf keinen Fall dieses merkwürdige Küchenutensil und auch nicht mit Karacho die flache Hand. Du nimmst die hohle Hand ganz sanft und zwar so:

Probiers ruhig mal an deinem eigenen Brustkorb aus. Du kannst sowohl in aufrechter Position sanft klopfen oder das Kind quer über deine Beine legen. Du klopfst überall dort wo Rippen sind. Wichtig dabei: NICHT AUF DIE WIRBELSÄULE KLOPFEN. Das ist mega unangenehm. Bei kleinen Babys reicht es auch mit zwei Fingern zu klopfen.
Alternativ oder Ergänzend, kannst du Vibration einsetzen und den Schleim locker vibrieren. Das geht zum Beispiel mit:
medizinischen Vibrationsgeräte (du brauchst, aber wirklich kein Gerät für hunderte oder tausende Euros, es gibt da auch ganz einfache Modelle)
Pragmatische Alternative: Nur-Für-diesen-Zweck-angeschafftes Spielzeug aus der Erwachsen-Abteilung (kleine Warnung: Es sieht komisch aus, wenn du das auf dem Nachttisch im Krankenhaus rumliegen hast, vielleicht besser im Voraus erklären)
ganz zur Not geht auch die elektrische Zahnbürste

Vibrieren und Klopfen kannst du überall dort wo Rippen sind. Unter den Rippen ist die Lunge und da sitzt der Schleim. Und zwar sowohl von der Vorderseite, als auch der Rückseite.
Fortgeschrittenen Tipp: Wenn du ein Gerät nutzt, kannst du versuchen die Zwischenräume der Rippen entlangzufahren.
Weiter Ideen, wie du an mehr Vibration im Krankheitsalltag kommst:
Spaziergang mit Buggy/Rehabuggy/Rolli über Schotterwege, Bonuspunkte für frische Luft
Spazierfahrt mit dem Lastenrad/Rollstuhl-Lastenrad/Fahrradanhänger
Rutschen lassen auf der Rollenrutsche (das ist so ein großes Kinderspielgerät mit Schaumstoffrollen)
Auf einer Vibrationsplatte z.B. Galileo
Falls du so eine Vibrationsplatte hast, kannst du im Sitzen (zb Schneidersitz oder angelehnter Schneidersitz) vibrieren. Wir machen das meist für 3min am Stück. Die Herzzahl ist zweitrangig, es soll auf jeden Fall nicht anstrengend sein, wir nehmen meistens was grob um die 17 Herz rum. Schau was angenehm ist.
Fortgeschrittenen Tipp (falls dein Kind das ok findet): Leichte Kopf nach unten Position mit Keilkissen. Dabei auf jeden Fall ein extra weiches Kissen unter den Kopf legen. Der soll nicht mitvibrieren.

Durch das Klopfen und Vibrieren wird der Schleim in den Bronchien gelockert und nach oben transportiert zum Abhusten. Was die Häufigkeit angeht, ist meine Erfahrung:
Mehr ist mehr.
Wenn der Schleim raus soll gibt es bei uns kein "zu viel". Guck einfach, wieviel du gut im Krankheits-Alltag unterkriegen kannst.
Mobilisieren/Twisten
Schleim löst sich auch durch Bewegung. Bei Kindern, die sich (noch) nicht viel selbst bewegen (z.B. wegen einer Behinderung, wie einer Cerebralparese oder weil sie durch die Krankheit geschwächt sind) ist es umso wichtiger für extra Bewegung nach dem Inhalieren zu sorgen. Ideen dafür:
viele Positionswechsel, zum Beispiel von der Couch auf den Boden und dort von der Rücken- in die Seitlage und wieder zurück
Bewegungen die eine Seitbeuge machen. Dehnen ist dabei nicht notwendig! Es geht nur darum, dass die Rippen sich auf der einen Seite zusammenschieben und sich auf der gegenüberliegenden Seite auffächern. So wird die Lunge unterschiedlich belüftet, auf der einen Seite mehr, auf der anderen Seite weniger.
Bewegungen, die einen Twist machen. Du kannst zum Beispiel in Rückenlage die Beine deines Kindes sanft nach links und rechts bringen. Das hat auch wieder den Hintergedanken mehr Bewegung in den Brustkorb zu bringen
Zu den Themen Klopfen und Mobilisieren (zusätzliches Stichwort: Atemgymnastik) kann dir vielleicht auch eine Physiotherapeut*in ihre Tricks und Kniffe zeigen. Wenn du das hier liest wärend du schon auf Station bist, kannst du bei der nächsten Visite vielleicht fragen ob die Kinderklinik jemanden vorbeischicken kann.
Extratipp:
Wenns so richtig schlimm ist, greift man ja nach jedem Grashalm. Aus Effektivitäts- oder Zeitgründen macht es manchmal Sinn, die verschiedenen Ansätze miteinander zu kombinieren. Hier also weitere erprobte Ideen:
Inhalieren und gleichzeitig mit einem Vibrationsgerät vibrieren
Inhalieren direkt auf der Vibrationsplatte
Beim Mobilisieren/Twisten direkt auch klopfen und/oder vibrieren
Vielleicht ist auch ein Pulsoxymeter für zu Hause praktisch, um die Sauerstoffsättigung im Blick zu haben. Wir haben so einen kleinen Tiger für den Finger. Mich beruhigt es immer einen weiteren Messwert zur Einschätzung zu haben.
Gute Besserung!!
PS: Die Markennennungen in diesem Text sind rein informativ und keine bezahlte Werbung.
